Versicherungen
 

 
 

9.7.  Sonderfall: Künstlersozialkasse

Wer eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit hauptberuflich selbstständig ausübt, wird über die Künstlersozialkasse (KSK) pflichtversichert in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Das gilt auch im IT-Bereich, z.B. für Web-Designerinnen oder Online-Journalisten.

Diese Art der Sozialversicherung hat gegenüber allen anderen Versicherungsmöglichkeiten für Selbstständige zwei gewaltige Vorteile:

  • Für KSK-Versicherte mit sehr geringem Einkommen gelten die gleichen Mindestbeiträge wie für Arbeitnehmer. Diese betragen in der Kranken- und Pflegeversicherung nur rund ein Fünftel der Mindestbeiträge, die ein freiwilliges Mitglied zu zahlen hätte.
  • Zudem zahlen Leute, die über die KSK versichert sind, nur den halben Grundbeitrag zur Sozialversicherung. Die andere Hälfte übernimmt – ähnlich wie ein Arbeitgeber – die KSK.

Dabei ist die KSK selbst keine Versicherung. Sie sammelt lediglich die Beiträge ein – von den Versicherten, von den Vermarktern freier künstlerischer und publizistischer Arbeit und einen Zuschuss der Bundesregierung – und leitet sie an eine Krankenkasse nach Wahl der Versicherten und an die Rentenversicherung weiter. Wer krank wird, hat also nur mit seiner Krankenkasse zu tun.

 
9.7.0.1.  Wer wird über die KSK versichert?

Eine Versicherung über die KSK ist möglich – und sogar verpflichtend – für alle, die eine

Bei der Prüfung dieser Bedingungen ist die KSK ziemlich genau. In Zweifelsfällen – z.B. bei Web-Designern – kann es helfen, wenn das Finanzamt die Tätigkeit bereits als freiberuflich eingestuft hat. Gewerbetreibende werden in die KSK nicht aufgenommen.

Grundsätzlich kann über die KSK auch versichert werden, wer neben einer solchen Tätigkeit auch andere (nicht-künstlerische oder nicht-selbstständige) Tätigkeiten ausübt. Allerdings gelten in diesem Fall recht strenge Einschränkungen:

  • Wer aus der selbstständigen künstlerischen Tätigkeit höchstens 3.900 € im Jahr oder weniger als ein Sechstel seiner Gesamteinkünfte bezieht (Ausnahme: Berufsanfänger in den ersten drei Jahren) oder wer
  • mehr als einen Arbeitnehmer beschäftigt,

wird in die KSK überhaupt nicht aufgenommen.

Wer nebenbei aus einer anderen (nicht-künstlerischen oder nicht-selbstständigen) Tätigkeit

  • mehr als 4.800 € im Jahr verdient, wird über die KSK zwar renten-, nicht aber kranken- und pflegeversichert (Details dazu im mediafon-Ratgeber Selbstständige),
  • mehr als 31.500 / 27.300 €* im Jahr verdient, wird über die KSK überhaupt nicht versichert.

 
9.7.0.2.  Anmeldung und Beiträge

Wer die genannten Voraussetzungen erfüllt, sollte nicht lange überlegen: Eine bessere Sozialversicherung gibt es für ihn nicht. Die Anmeldung erfolgt zunächst formlos bei der Künstlersozialkasse; Belege für die selbstständige künstlerische oder publizistische Tätigkeit sind auf Verlangen vorzulegen.

Die KSK prüft die Aufnahmeanträge äußerst genau. Wer aufgenommen wird, wird über die Deutsche Rentenversicherung - Bund (DRV, früher BfA) rentenversichert; seine Kranken- und Pflegekasse kann er sich selbst aussuchen. Berufsanfänger können sich sogar privat krankenversichern und dennoch den Zuschuss der KSK bekommen.

Für die Beitragsberechnung müssen die KSK-Versicherten jeweils am Jahresende schätzen, wie hoch ihr Einkommen im nächsten Jahr sein wird. Dieses geschätzte Einkommen ist dann für die Beitragsberechnung verbindlich. Dabei gelten die üblichen Mindest- und Höchstgrenzen. Wer der KSK lediglich das Mindesteinkommen von 3.901 € im Jahr meldet, zahlt (bei einem durchschnittlichen Krankenkassenbeitrag) pro Monat nur wenig mehr als 65 €. Dafür hat er eine komplette Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Die KSK legt fast denselben Betrag noch einmal drauf.

 
9.7.0.3.  Weitere Informationen

Da die Künstlersozialversicherung leider nur für einen kleinen Teil der Leserinnen und Leser dieses Ratgebers in Frage kommt, soll hier nicht auf weitere Einzelheiten und Probleme eingegangen werden. Sie werden alle ausführlich in meinem mediafon-Ratgeber Selbstständige behandelt.

Wer über die KSK versichert werden möchte, sollte sich diesen Ratgeber auf jeden Fall anschauen: Die Aufnahmeprozedur zur KSK ist mittlerweile mit etlichen Fußangeln gespickt. Zudem enthält der mediafon-Ratgeber noch zahllose weitere Informationen für andere Berufe, die in diesen "Ratgeber E-Lancer" allenfalls am Rande behandelt werden.

 
9.7.0.4.  Künstlersozialabgabe

Der "Arbeitgeberanteil" zur Künstlersozialversicherung wird unter anderen dadurch finanziert, dass die KSK von jedem, der freie künstlerische oder publizistische Leistungen vermarktet, eine "Künstlersozialabgabe" einzieht.

Das trifft im IT-Bereich zum Beispiel

  • Contentprovider oder Online-Zeitungen, die Texte von freien Journalisten einkaufen,
  • Web-Designer, die für ihre Produkte Fotos von freien Fotografinnen einsetzen,
  • Softwarefirmen, die sich die Benutzeroberfläche von freien Designern gestalten lassen.

Wer immer als Selbstständiger also Honorare an selbstständige Künstler oder Publizistinnen zahlt, muss der KSK die entsprechende Honorarsumme melden und darauf eine Abgabe von derzeit 5,1 Prozent zahlen. Es genügt zunächst eine formlose Anmeldung bei der Künstlersozialkasse; alle erforderlichen Formulare bekommt man dann zugeschickt. Das Verfahren ist auf der KSK-Website ebenfalls genauer erläutert.

Und Vorsicht: Nehmt diese Pflicht nicht auf die leichte Schulter. Die KSK sucht systematisch nach abgabepflichtigen Betrieben und darf auch Betriebsprüfungen durchführen. Wer sich nicht selbst meldet, riskiert zusätzlich zur Nachzahlung ein Bußgeld.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Dezember 2006]
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