VersicherungenKrankenversicherung
 

 
 

9.2.3.  Gesetzliche Krankenversicherung

Wer als Selbstständiger freiwillig in die gesetzliche Krankenversicherung möchte (und keinen Zugang zur Künstlersozialkasse hat), hat in der Regel einmal im Leben die Chance dazu. Und zwar in den ersten drei Monaten nach dem Beginn der selbstständigen Tätigkeit.

Voraussetzung ist, dass er

  • unmittelbar vorher mindestens 12 Monate ununterbrochen oder in den letzten fünf Jahren mindestens 24 Monate lang gesetzlich krankenversichert war.

Diese Bedingungen dürften die meisten Einsteiger erfüllen, da hier nicht nur Versicherungszeiten als Angestellter zählen, sondern auch eine Pflichtversicherung über die Familienversicherung der Eltern, in der studentischen Krankenversicherung oder über die Arbeitsagentur.

Wer diese Möglichkeit nutzen will, muss das sofort tun: Die freiwillige Weiterversicherung muss

  • spätestens drei Monate nach dem Ende der bisherigen gesetzlichen Versicherung der alten Krankenkasse gemeldet werden.

Wer diese Frist versäumt, hat Pech gehabt. Eine Verlängerung oder eine zweite Chance gibt es nicht. Nie wieder. In die gesetzliche Krankenkasse kommt er dann nur noch, wenn er den selbstständigen Status wieder aufgibt und einen Arbeitnehmerjob unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze annimmt. Und zwar bevor er 55 ist.

(Umgekehrt ist die Entscheidung für die Gesetzliche übrigens nicht unumkehrbar: Wer dort freiwillig versichert ist, darf auch später jederzeit in eine private Kasse wechseln.)

 
9.2.3.1.  Beitragshöhe

Alle gesetzlichen Krankenkassen erheben als Beitrag einen bestimmten Prozentsatz vom Einkommen der Versicherten. Dieser Prozentsatz schwankt von Kasse zu Kasse – Ende 2006 lagen die Beitragssätze zwischen 12,0 und 15,5 Prozent; die großen Ersatzkassen verlangten 13,5 (Techniker Krankenkasse), 14,4 (Barmer) und 15,4 Prouent; hinzu kommt jeweils noch ein Zuschlag von 0,9 Prozent. Der Durchschnittssatz lag im Jahre 2006 bei 13,3 + 0,9 Prozent.

Während dieser Prozentsatz bei Angestellten auf das tatsächliche Einkommen angewandt wird, wird Selbstständigen zunächst einmal unterstellt, dass ihre Monatseinkünfte über der Beitragsbemessungsgrenze von 3.562,50 € liegen. Bei einer Kasse mit dem Durchschnitts-Beitragssatz führt das zu einem Monatsbeitrag von happigen 505,88 €, der zugleich der Höchstbeitrag ist.

Wer der Kasse nachweist, dass er weniger verdient, kann aber auch niedriger eingestuft werden. Dabei gelten jedoch folgende Mindesteinnahmen und Mindestbeiträge (beim durchschnittlichen Beitragssatz von 13,3 + 0,9%):

  • Hauptberuflich Selbstständige: Mindesteinnahmen 1.837,50 €, Mindestbeitrag 260,93 €,
  • Existenzgründer, die Existenzgründungszuschuss beziehen ("Ich-AG"): Mindesteinnahmen 1.225 €, Mindestbeitrag 173,95 €,
  • Sonstige freiwillige Mitglieder (z.B. Hausfrauen, die nur nebenbei selbstständig tätig sind): Mindesteinnahmen 816,67 €, absoluter Mindestbeitrag 115,97 €.

Als versicherungspflichtige Einnahmen gelten bei freiwilligen Mitgliedern nicht nur die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, sondern sämtliche Einkünfte, also auch solche aus Kapitalvermögen, eventuelle Mieteinnahmen und sogar das Überbrückungsgeld und der Existenzgründungszuschuss, die bei der Rentenversicherung und einer Krankenversicherung über die Künstlersozialkasse nicht mitgerechnet werden.

Bei der Frage, in welche Beitragsklasse sie Berufsanfänger einstufen, haben die Kassen einen gewissen Ermessensspielraum. Und da sie sich seit einigen Jahren im Wettbewerb um neue Mitglieder befinden, kann es sich durchaus lohnen, vor dem Beitritt an diesem Punkt ein bisschen zu verhandeln bzw. Vergleichsangebote einzuholen.

 
9.2.3.2.  Leistungen

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind im Großen und Ganzen gesetzlich vorgeschrieben und unterscheiden sich kaum. Auch freiwillig Versicherte haben dort Anspruch auf alle üblichen Leistungen. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Kinder und Ehepartner/innen sind kostenlos mitversichert, sofern sie nicht selbst versicherungspflichtig sind.
  • Es gelten alle Regelungen der letzten Gesundheitsreformgesetze, z.B. was die Eigenbeteiligung bei Zahnersatz angeht und die Zuzahlungen, aber auch die Befreiung von Zuzahlungen: Eine Befreiung ist erst möglich, wenn man bereits 2% seines Jahreseinkommens (chronisch Kranke: 1%) für Zuzahlungen ausgegeben hat; für Zahnersatz gibt es bei geringem Einkommen einen doppelten, in der Regel kostendeckenden Zuschuss.
  • Es besteht Anspruch auf Krankengeld, auch zur Pflege kranker Kinder bis zu 12 Jahren, auf Mutterschaftsgeld und auf Kuren.

 
9.2.3.3.  Wahl der gesetzlichen Krankenkasse

In welcher gesetzlichen Krankenkasse sie sich versichern wollen, können freiwillig Versicherte grundsätzlich frei bestimmen. Seit 1996 haben sie die Wahl zwischen

  • der regionalen Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK),
  • allen Ersatzkassen sowie
  • den für das jeweilige Bundesland "geöffneten" Betriebskrankenkassen. Das sind Betriebskrankenkassen, die laut Satzung alle Versicherten der jeweiligen Region – unabhängig von der Betriebszugehörigkeit – aufnehmen und zum Teil recht günstige Beitragssätze haben.
  • Auch Innungskrankenkassen kann man fragen: Die sind zwar nicht offiziell "geöffnet" – manche nehmen aber trotzdem Außenstehende auf.

Bei der Wahl der Krankenkasse sollte man auf folgende Punkte achten:

  • Bei den Leistungen unterscheiden sich die Kassen kaum noch. Wer aber spezielle Behandlungen wünscht, sollte sich vorher erkundigen: Innungskrankenkassen und die Securvita-BKK gelten z.B. sind als besonders aufgeschlossen gegenüber Naturheilverfahren. Im Rahmen von Modellprojekten ist es zudem möglich, dass Kassen für Leistungen zahlen dürfen, die im gesetzlichen Leistungskatalog gar nicht vorgesehen sind, oder - wie die Techniker - freiwillig Versicherten Rabatte einräumen dürfen.
  • Sehr viel deutlicher sind die Unterschiede im Service. Wer wegen chronischer Erkrankungen auf häufigen Kontakt mit der Krankenkasse angewiesen ist, kann mit einigen Betriebskrankenkassen Probleme kriegen. Von denen haben manche – trotz inzwischen hoher Mitgliederzahlen – nur eine einzige Geschäftsstelle und ein ständig besetztes Telefon.
  • Die normalen Beitragssätze der allgemein zugänglichen Kassen schwankten Ende 2006 zwischen 12,0 und 15,5 Prozent (jeweils plus 0,9 Prozent Zuschlag); der amtlich festgestellte Durchschnittssatz lag bei 13,3 + 0,9 Prozent. Eine Übersicht der Beitragssätze aller Krankenkassen, die im jeweiligen Bundesland allgemein zugänglich sind, kann man auf www.krankenkassentarife.de abrufen.
  • Manche Kassen versichern Selbstständige laut Satzung nur ohne Anspruch auf Krankengeld. Wer das will, muss auf den ermäßigten Beitragssatz achten, der Ende 2006 zwischen 10,7 und 14,3 Prozent lag (jeweils plus 0,9 Prozent Zuschlag). Wer Krankengeld haben will, muss sich eine andere Kasse suchen.
  • Viele Kassen bieten Selbstständigen für einen erhöhten Beitrag sogar ein vorgezogenes Krankengeld an. Die Konditionen dafür sind extrem unterschiedlich. Wer das will, muss sie leider bei jeder Kasse einzeln erfragen.
  • Wer möglicherweise das Kinderkrankengeld in Anspruch nehmen möchte, sollte ebenfalls vorher fragen.

Wer nach Prüfung dieser Kriterien seine gesetzliche Krankenkasse wechseln will, kann das ohne Angabe von Gründen jederzeit tun. Es ist lediglich eine Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Monatsende einzuhalten. Danach ist man an die neue Kasse aber erst einmal gebunden: Eine erneute Kündigung ist erst 18 Monate nach einem Kassenwechsel möglich.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Dezember 2006]
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