DefinitionenSelbstständige
 

 
 

2.1.3.  Freie Berufe

Angehörige der freien Berufen

  • brauchen kein Gewerbe anzumelden,
  • sind nicht gewerbesteuerpflichtig,
  • gehören nicht in die IHK,
  • dürfen eine vereinfachte Buchführung anwenden,
  • brauchen sich nicht in das Handelsregister eintragen zu lassen.

 
2.1.3.1. Künstler oder Publizistin?

Eine besondere Spezies unter den Freiberuflern sind die freien Künstlerinnen und Publizisten. Sie

  • werden über die Künstlersozialkasse (KSK) sozialversichert. Dort brauchen sie nur den halben Beitragssatz zu zahlen und bekommen damit eine volle Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung schon – bei geringstem Einkommen – ab wenig über 60 € im Monat.

Als Künstler und Publizistinnen gelten alle, die hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende und Darstellende Kunst künstlerisch tätig sind, als Schriftsteller, Journalistinnen, literarische Übersetzer usw. "eigene Gedanken mit den Mitteln der Sprache schriftlich für die Öffentlichkeit niederlegen" oder in einem dieser Fächer unterrichten.

Wegen der Künstlersozialkasse ist der Künstlerstatus sehr gefragt. Deshalb ist die Abgrenzung zu den nicht-künstlerischen Berufen in den Grenzbereichen – gerade bei IT-Berufen – inzwischen eine Wissenschaft für sich geworden.

Recht eindeutig ist die Lage im Textbereich: Zweifelsfrei publizistisch tätig sind hier alle

  • Online-Journalisten,
  • Online-Publizistinnen,
  • Texter,
  • literarischen Übersetzerinnen und
  • Ghostwriter.

Nicht publizistisch und somit gewerblich tätig ist hingegen, wer lediglich

  • Datensammlungen (z.B. Link-Listen) zusammenstellt,
  • technische Übersetzungen anfertigt (z.B. Software in andere Sprachen überträgt) oder als
  • Content-Provider mit Texten anderer handelt.

Reine Programmierarbeit ist zwar mittlerweile urheberrechtlich geschützt, gilt jedoch weiterhin weder als künstlerische noch als publizistische Tätigkeit. Wer allerdings die Bedienungsoberfläche von Software künstlerisch gestaltet oder Texte schreibt, die mehr als reine Hilfe-Texte sind, wird in die KSK aufgenommen. Autorinnen von Lernsoftware gelten ausdrücklich als Schriftstellerinnen.

Für einige Berufe haben die Finanzämter und die KSK leider unterschiedliche Maßstäbe entwickelt: Während für die KSK

  • Werbetexterinnen,
  • Grafiker und Designerinnen

immer künstlerisch tätig sind, erkennt das Finanzamt sie als Künstler nur an, wenn sie "eigenschöpferisch" (also ohne allzu präzise Vorgaben seitens des Auftraggebers) tätig sind und wenn bei ihren Produkten "der Kunstwert den Gebrauchswert deutlich übersteigt". Einer Designerin kann es also durchaus passieren, dass sie in die KSK aufgenommen wird, an das Finanzamt aber dennoch Gewerbesteuer abzuführen hat.

Zur Klärung solcher Zweifelsfälle haben die Finanzämter eigene "Künstlerausschüsse". Wer dort landet, kann seine Position mit einem eigenen Gutachten über seine Künstlereigenschaft untermauern. Das bekommt man von Berufsorganisationen, zum Beispiel von der Allianz Deutscher Designer (AGD).

Web- und Screen-Designer, die kommerzielle Web-Sites oder Programme einfach nur gut (aber ohne künstlerischen Anspruch) gestalten, werden von den Finanzämtern durchweg als Gewerbetreibende behandelt. Die Künstlersozialkasse dagegen muss sie neuerdings grundsätzlich aufnehmen – es sei denn, sie führen diese Berufsbezeichnung nur zum Schein und ihre Gestaltung lässt überhaupt keine Designleistung erkennen. Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts darf es für die Aufnahme von Webdesignern in die KSK jedoch keine Rolle mehr spielen, ob sie eine künstlerische Ausbildung haben oder ob ihnen der Auftraggeber im Einzelfall konkrete Gestaltungsvorgaben macht (Aktenzeichen B 3 KR 37/04 R).

Wer es noch genauer braucht, findet weitere Angaben in meinem mediafon-Ratgeber Selbstständige.

 

 

[ Letzte Änderung: 20. September 2005]
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